Goerner Gmbh

Tondachziegel oder Betondachsteine: Materialien für das Steildach im Vergleich

Auf den ersten Blick können sich Tondachziegel und Betondachsteine erstaunlich ähnlich sehen. Beide gibt es in roten, braunen und dunklen Farbtönen, mit gewölbten oder geradlinigen Profilen. Für die Auswahl zählen jedoch auch das Flächengewicht, die Dachneigung und der Zustand der Dachkonstruktion. Wer eine Neueindeckung plant, sollte deshalb konkrete Modelle und den dazugehörigen Dachaufbau vergleichen.

Was unterscheidet Tondachziegel und Betondachsteine?

Tondachziegel: gebrannte Keramik mit vielen Oberflächen

Tondachziegel werden aus tonhaltigen Rohstoffen geformt, getrocknet und anschließend gebrannt. Dabei entsteht ein keramischer Baustoff. Die natürliche Brennfarbe hängt unter anderem von der Zusammensetzung des Ausgangsmaterials ab.

Neben naturbelassenen Ausführungen sind engobierte und glasierte Ziegel erhältlich. Eine Engobe wird vor dem Brand als mineralische Tonschlämme aufgetragen und verändert Farbe und Oberflächenwirkung. Glasuren bilden einen glasartigen Überzug. Je nach Ausführung entstehen matte, leicht glänzende oder deutlich glänzende Flächen.

Die Auswahl reicht vom traditionellen Biberschwanz bis zu großformatigen Falzziegeln. Damit lassen sich sowohl kleinteilige historische Dachbilder als auch ruhige, moderne Dachflächen gestalten.

Betondachsteine: zementgebundener Baustoff

Betondachsteine bestehen im Wesentlichen aus Sand, Zement und Wasser. Farbpigmente und Oberflächenbeschichtungen ermöglichen unterschiedliche Farbtöne und Oberflächen. Nach der Formgebung härten die Steine unter kontrollierten Bedingungen aus; ein keramischer Brand ist dafür nicht erforderlich.

Auch bei Beton gibt es gewölbte Pfannen und flache Modelle. Die Bezeichnung „Dachpfanne“ lässt daher keinen sicheren Rückschluss auf das Material zu. Für Angebote und spätere Reparaturen sind Hersteller, Modell und Ausführung entscheidend.

Dacheindeckung im Vergleich: die wichtigsten Eigenschaften

Kriterium Tondachziegel Betondachsteine
Grundmaterial Gebrannter Ton beziehungsweise Lehm Sand, Zement und Wasser
Gestaltung Große Auswahl an Formen, Engoben und Glasuren Gewölbte und flache Formen, verschiedene Farben und Beschichtungen
Gewicht Abhängig von Modell, Format und Deckungsart Abhängig von Modell, Format und Überdeckung
Alterung Farb- und Oberflächenveränderungen abhängig von Ausführung und Standort Farb- und Oberflächenveränderungen abhängig von Beschichtung und Standort
Wartung Deckung, Anschlüsse und Entwässerung regelmäßig kontrollieren Deckung, Anschlüsse und Entwässerung regelmäßig kontrollieren
Materialkosten Häufig höher, große Unterschiede zwischen Modellen Häufig günstiger, ebenfalls abhängig von der Ausführung

Beide Materialien können über viele Jahrzehnte funktionieren. Eine feste Lebensdauer allein aus dem Werkstoff abzuleiten, wäre allerdings unzuverlässig. Verarbeitung, Bewitterung und der Zustand der übrigen Dachbauteile beeinflussen die Nutzungsdauer erheblich.

Gewicht: Entscheidend sind Kilogramm je Quadratmeter

Ein einzelner Dachstein kann schwerer sein als ein einzelner Ziegel und trotzdem eine ähnlich schwere Dachfläche ergeben. Der Grund: Je nach Format werden unterschiedlich viele Stücke je Quadratmeter benötigt.

Viele gängige Deckungen aus Ton oder Beton liegen größenordnungsmäßig bei etwa 40 bis 55 Kilogramm je Quadratmeter. Einzelne Modelle und Deckungsarten weichen deutlich davon ab. Eine Biberschwanzdeckung kann beispielsweise schwerer ausfallen als eine Betondachsteindeckung.

Für die Planung zählt deshalb das Flächengewicht des ausgewählten Modells bei der vorgesehenen Verlegung. Das Stückgewicht allein reicht zum Vergleich nicht aus.

Schon kleine Unterschiede summieren sich: Acht Kilogramm Mehrgewicht je Quadratmeter bedeuten bei 150 Quadratmetern tatsächlicher Dachfläche insgesamt 1.200 Kilogramm zusätzliche Masse.

Bei einer Sanierung muss die Tragfähigkeit der vorhandenen Konstruktion zum geplanten Aufbau passen. Neben der Eindeckung sind unter anderem Lattung, Dämmung, mögliche Solaranlagen sowie Schnee- und Windbeanspruchungen zu berücksichtigen. Besonders beim Wechsel von einer leichten Altdeckung auf Ton oder Beton sollte die Tragkonstruktion vor der Materialbestellung geprüft werden.

Dachneigung: Die Form des Produkts bestimmt mit

Weder Tondachziegel noch Betondachsteine eignen sich pauschal für jede Neigung. Ausschlaggebend sind unter anderem Profil, Verfalzung, Überdeckung und die vorgesehene Verlegeweise.

Regeldachneigung und Mindestdachneigung unterscheiden

Die Regeldachneigung bezeichnet die Neigungsgrenze, ab der sich eine bestimmte Deckung unter üblichen Bedingungen als ausreichend regensicher bewährt hat. Sie ist keine allgemeingültige Gradzahl für sämtliche Tonziegel oder Betonsteine.

Wird diese Neigung unterschritten, können aufwendigere Zusatzmaßnahmen unterhalb der Deckung erforderlich werden. Dabei gelten weitere Einsatzgrenzen. Eine beliebige Unterschreitung lässt sich daher auch mit einer zusätzlichen Bahn nicht ausgleichen.

Auch oberhalb der Regeldachneigung können besondere Anforderungen Zusatzmaßnahmen verlangen, etwa durch die Nutzung des Dachraums oder eine exponierte Gebäudelage. Die Planung muss das gesamte Dach berücksichtigen: einschließlich Kehlen, Dachfenstern, Schornsteinen und anderen Anschlüssen.

Ein höheres Eigengewicht ersetzt außerdem keine fachgerecht bemessene Befestigung gegen Windsog. Die notwendige Sicherung richtet sich nach Gebäude, Standort und Deckmaterial.

Gestaltung und örtliche Vorgaben zusammen betrachten

Eine kleine Musterpfanne vermittelt nur einen begrenzten Eindruck. Auf einer großen Dachfläche wirken Glanzgrad, Profil und Farbabweichungen häufig stärker. Sinnvoll ist es deshalb, Muster bei Tageslicht zu betrachten und vergleichbare eingedeckte Dächer anzusehen.

Bei älteren Gebäuden prägen Format und Deckungsart den Charakter besonders deutlich. Ein Wechsel von kleinteiligen Biberschwanzziegeln zu großen Pfannen verändert das Erscheinungsbild selbst dann, wenn der Farbton ähnlich bleibt.

Für ein Vorhaben in Betten oder der Umgebung sollte vor der Bestellung geklärt werden, welche Vorgaben am konkreten Grundstück gelten. Bebauungspläne, örtliche Gestaltungssatzungen oder denkmalrechtliche Anforderungen können die Auswahl beeinflussen. Ob Material, Farbe oder Glanzgrad eingeschränkt sind, lässt sich bei der zuständigen Gemeinde beziehungsweise Behörde erfragen.

Wartung: Den Zustand prüfen, Veränderungen richtig einordnen

Beide Materialien brauchen regelmäßige Kontrollen. Dabei verdienen verschobene oder gebrochene Elemente, First und Ortgänge, Anschlüsse sowie Dachrinnen besondere Aufmerksamkeit. Nach einem stärkeren Sturm ist eine zusätzliche Sichtkontrolle sinnvoll.

Grünbelag allein beweist keinen Materialschaden. Verschattung, Feuchtigkeit und Dachneigung beeinflussen, ob sich Algen, Flechten oder Moos ansiedeln. Handlungsbedarf entsteht insbesondere, wenn Bewuchs den Wasserablauf behindert. Das Faktenblatt des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks zu Moos auf dem Dach erläutert die Zusammenhänge und die Risiken unsachgemäßer Reinigung.

Mit einem Hochdruckreiniger können Deckelemente beschädigt und Wasser durch Fugen gedrückt werden. Ob eine Reinigung nötig ist und welches Verfahren passt, sollte ein Fachbetrieb beurteilen.

Für spätere Reparaturen lohnt es sich, Produktbezeichnung und Ausführung aufzubewahren. Ein ähnlich aussehender Ersatz passt nicht automatisch zu Falzen und Deckmaßen.

Angebote auf derselben Grundlage vergleichen

Betondachsteine sind beim reinen Materialpreis häufig günstiger. Wie groß dieser Vorteil beim fertigen Dach ausfällt, hängt jedoch vom gesamten Leistungsumfang ab. Gerüst, Rückbau, Entsorgung, Unterdeckung, Lattung, Anschlüsse und Zubehör können einen erheblichen Anteil der Kosten ausmachen.

Für einen aussagekräftigen Vergleich sollten Angebote daher dieselben Fragen beantworten:

  • Welches konkrete Modell einschließlich Oberfläche wird angeboten?
  • Passt es zur Dachneigung und zur nachgewiesenen Tragfähigkeit?
  • Welche Zusatzmaßnahmen und Befestigungen sind enthalten?
  • Werden Unterdeckung, Anschlüsse und Entwässerung ausreichend berücksichtigt?
  • Sind die örtlichen Anforderungen vor der Bestellung geklärt?

Lassen Sie sich verbleibende Unterschiede im Leistungsumfang erläutern. Erst dann lässt sich beurteilen, welchen Einfluss die Materialwahl tatsächlich auf Kosten, Gestaltung und Ausführung Ihres Daches hat.